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Posted 30 Nov 2010

Joost Meuwissen, ‘Städtisches Interesse’, Wohnbau: Alternative: Baugruppen 2008-2010. Herausgegeben von Elisasbeth Anderl, Jasmin Leb-Idris und Karin Wallmüller (Graz: Edition HDA, 2010), 10.

Städtisches Interesse

Joost Meuwissen

Aus der Sicht einer ausgeglichenen Stadtentwicklung haben die in den letzten Jahren entstandenen Initiativen der Baugruppen nur Vorteile. Allein durch seine Anwesenheit kann ein Gruppenbau ein ganzes Viertel antreiben ohne für letzteres ein allgemein anwendbares, von sich aus auszudehnendes, verpflichtendes und deshalb vielleicht bedrohliches Muster darzustellen. Der Gruppenbau erscheint wie ein Punkt in einem andersartigen Gewebe, wie eine Brosche auf einem Kleid. Das Interesse einer Baugruppeninitiative ist von vornherein beschränkt. Baugruppen verbessern, aber nicht dadurch, dass sie Alles verbessern möchten. Von sich aus lösen sie auch nicht die soziale Wohnungsfrage. Trotzdem können die zusätzlichen Außenraumqualitäten, welche sie mitbringen, für Alle einen Nutzen haben.
Sie füllen Baulücken aus, welche sonst ödestrahlend in der Stadt geblieben wären und erhalten leerstehende Bausubstanzen und dadurch die städtische Struktur um jene herum, welche sonst abgerissen hätten werden müssen. Können solche neu beleben, welche für institutionelle, kommerzielle sowie gefördete Immobilienverfahren zu klein für eine finanziell handfest gebaute Realisierung oder Erneuerung sowie zu unsicher zu einer erfolgreichen, das heißt raschen Vermarktung gewesen wären. Betriebsmäßig betrachtet, hat es damit zu tun, dass Baugruppen durch kurze Linien innerhalb einer verhältnismäßig horizontalen Organisation gekennzeichnet sind, wobei der erhebliche Zeitaufwand der Interessierten großteils unbesoldet bleibt.
Die landläufigen offiziellen Planungsprozesse sind durch zusätzliche Möglichkeiten von Privatinitiativen bereichert worden. Es kostet weniger. Auftraggeber ist Bauträger ist Kunde. Ein städtisches Interesse wird unmittelbar umgesetzt. Und ästhetisch ausgedrückt. Die Stadt wird lebendig. Die Baugruppen sind imstande, die europäische Stadtflucht der reicheren Leute abzubremsen und eine immer fortschreitende gesellschaftliche Abgrenzung der Stadtteile zu einander zu mildern. Wichtiges Forschungsvorhaben zur Verallgemeinerung dieser großartigen Planungsidee würde folglich das Thema Baugruppen für arme Leute sein, entweder subventionierte oder sogar gar nicht geförderte. In diesem Sinne wären aus den 1970er Jahren eher die advocacy planning als die damaligen Partizipationsmodelle und aus dem 19. Jahrhundert eher Ebenezer Howards privat finanziertes städtisches To-Morrow für Alle als die Stadtflucht der Sozialutopisten die geträumte Vorgeschichte. Bei einer Gruppengröße bis zu 18 Personen würde Graz 20.000 Baugruppen zählen können.


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