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Posted 08 Nov 1996

Joost Meuwissen, 'Von der Peripherie bis Suburbia: die Infrastrukturen konsumieren', Stadt mit beschränkter Haftung. Ein Symposium zu den Entstehungsbedingungen des Urbanen, Österreichische Gesellschaft für Architektur in Kooperation mit der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten am 8. November 1996 im Theatersaal der Akademie der Wissenschaften, Wien.

Von der Peripherie bis Suburbia: die Infrastrukturen konsumieren

Joost Meuwissen

Mir scheint die Frage, ob die infrastrukturelle Stadt von Technikern oder Städtebauern bzw. Landschaftsarchitekten gestaltet werden soll in dem Sinne überholt zu sein, weil die heutige Stadt, wenn man sie durch und durch analysiert, mehr und mehr vom Konsum her intensiviert wird. Weder die Kalkülierungen der Verkehrsbedürfnisse noch die gestalterischen Raumbilder sind heute empirisch genug um das von den Menschen selbst intensivierten Leben am Internet oder an der Autobahn überhaupt noch zu organisieren.
Es gibt dazu zwei Auffassungen, von denen die erste, die Peripherieauffassung, behauptet, daß die neuen Infrastrukturen nicht mehr Verbindung oder Vernetzung veranstalten, sondern solche nur verhindern und letztendlich Insel, Enklave und Impasse, schaffen (Rem Koolhaas
[1]), d.h. zum fragmentierten Stadtraum führen, während die andere Auffassung davon ausgeht, daß beide, die Verbindungen sowohl wie die Enklaven, im Konsum aufhören Verbindung bzw. Insel zu sein.
Wie das Internet nicht zur Pornographie entwickelt worden war, ist der von Ingenieuren ländlich und romantisch ausgestattete Familienpicknickparkplatz entlang der Autobahn gar nicht gemeint worden um die Szene eines 'gay parking place' zu bilden. Das Leben findet intensivere und glücklichere Möglichkeiten als das Zweck und die Form die bisher von Ingenieuren und Architekten geschaffen worden sind. Fortschreitende Privatisierung der Infrastrukturen, z.B. Autobahnen und Eisenbahnen, damit Konkurrenz entsteht, in Zusammenhang mit einer von der Demokratie gewünschten restriktiven Planung im Sinne von Schutzzonen, Lärmzonen usw., wird kurzfristig zu einer suburbanen Stadtraum führen können, der intensiver als die heutige Straßen- und Plätzestadt, derer Konzeption noch aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt, sein kann.
Suburbanes Glück (suburban bliss) bietet eine Alternative zur Peripherie, zur Enklave (amerikanische suburbs), sowohl wie zur Stadt der industriellen Revolution.
Die Frage wäre, wie man in dieser Hinsicht zu städtebaulichen Entwurfs- und Planungstechniken kommen könnte, welche eine bestehende, nur extensive Peripherie und eine historische, aber immer entleertere Stadtmitte auf suburbane Weise verständlicher machen und in dem Sinne aufwerten werden können.


[1] Office for Metropolitan Architecture. Rem Koolhaas and Bruce Mau, Small, Medium, Large, Extra-Large. Edited by Jennifer Sigler, photography by Hans Werlemann (Rotterdam: 010 Publishers - New York: The Monacelli Press, 1995), 1264.


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